2018 Herrenberg

Beim 32. Familienseminar lag der Schwerpunkt wieder darin den Betroffenen und deren Angehörigen, die Möglichkeit zu geben durch verschiedene Angebote ihre Lebensqualität zu verbessern

Herrenberg vom 31. Mai bis 03. Juni 2018

In ganztägigen Workshops, Referaten und Übungseinheiten kennen zulernen und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Erstmals lag die gesamte Vorbereitung und Durchführung des Familienseminars in den Händen eines Seminarteams aus Schlaganfallbetroffenen und Aphasikern, was eine große Herausforderung darstellte.

Das Seminarteam setzt auf altbewährte Seminarinhalte, aber auch neue Angebote wie etwa das Pinguintraining, ein computergestütztes Training bei dem nicht nur die Beinmuskulatur trainiert wird sondern auch das Gleichgewicht und die Konzentration

Beim Malen mit Aquarellfarben, beim Arbeiten mit Ton, marmorieren und zusammenbauen von kleinen Säulen und deren Lackierung konnte aufgezeigt werden wie Motorik trainiert werden kann und manch erstaunter Teilnehmer erkannte, dass er auch mit Halbseitenlähmungen durchaus in der Lage ist noch handwerkliche Tätigkeiten auszuführen; besonders beliebt in diesem Jahr war die Herstellung eines Traumfängers was großes Improvisationstalent erfordert, wenn man diesen mit nur einer Hand und dann noch als Rechtshänder mit Links erstellen soll.

In ganztägigen Workshops, Referaten und Übungseinheiten kennen zulernen und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Erstmals lag die gesamte Vorbereitung und Durchführung des Familienseminars in den Händen eines Seminarteams aus Schlaganfallbetroffenen und Aphasikern, was eine große Herausforderung darstellte.

Musik, Singen mit und ohne Instrumental-Begleitung, aktivem Improvisieren (Klangschalen), Klangwiege, Feldenkrais eine Methode zur Bewegung und Körperwahrnehmung, Lu Jong eine tibetanische Bewegungslehre sind fester Bestandteil im Familienseminar.

Sport nach Schlaganfall, eine geführte Wanderung, Übungen mit einem Therapieball, Nordic-Walking und Entspannungsmassagen dienten ebenso dazu den Schlaganfallbetroffenen und Angehörigen Ansatzpunkte aufzuzeigen, wie eine mögliche Eigentherapie zu Hause aussehen könnte.

Im Vortrag des Deutschen Roten Kreuzes „Was tun im Notfall“ wurde den Aphasiker und Schlaganfallbetroffenen die Angst genommen bei einem Notfall nichts oder das Falsche zu tun. Von Reanimation bis zum Absetzen eines Notrufs bei Sprachstörung konnte alles geübt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Sprachtraining. Sprache lernen mit spielerischen Ansätzen, Sprachtraining am Computer mit unterschiedlichen Programmen, Gehirnjogging, Kommunikationstraining und Konzentrationstraining unterschiedlicher Ansätze, die alle dazu dienen können die Lebensqualität eines Aphasikers und dessen Angehörigen zu verbessern und gleichzeitig eine Hilfe zur Selbsthilfe zu sein.

Tanzen mit Gruppentanz für Angehörige ist ebenfalls ein fester Bestandteil des Familienseminars und ermöglicht den Mitbetroffenen Angehörigen eine kleine Auszeit von der Betreuung ihrer betroffenen Partner/innen.

Die Fotoschau und Fotoimpressionen vom 2. Sporttag des Landesverbandes moderiert von unserem Vorstandsmitglied Joachim Müller einem ehemaligen Profifußballer und stark betroffenem Aphasiker, fanden großen Anklang und zeigte allen Teilnehmern eindrucksvoll welche sportlichen Möglichkeiten auch mit Schlaganfallfolgen noch versucht werden können.

Mit der Combo“ Barrierefrei“, bestehend aus Betroffenen und Angehörigen, die sich bei einem der vergangenen Familienseminare gebildet hat, wurde der Bunte Abend mit Sketschen und einem Gewinnspiel ein voller Erfolg. Auf der Tanzfläche drängten sich die Teilnehmer, jeder bewegte sich zur Musik nach seinen Möglichkeiten. Einschränkungen, Behinderung, Alter, Geschlecht spielte keine Rolle. Emotionen wurden abgebaut, Alltagssorgen und Krankheit traten für kurze Zeit in den Hintergrund.

Die Teilnehmer des Familienseminars fühlten sich fast wie in einer Großfamilie. Bei den Gesprächen zwischen den Anwendungen und an den Abenden wurden Erfahrungen ausgetauscht und Probleme besprochen. Das freie Reden und die Selbstverständlichkeit mit der man sich untereinander half waren für die Erstteilnehmer eine ganz neue Erfahrung, für die anderen schon eine Selbstverständlichkeit.

Das schöne Wetter ließ intensive Gespräche auch im Hotelgarten zu. Gegenseitiges Motivieren und Mutmachen auch die positiven und schönen Seiten des Lebens zu sehen, trotz Krankheit und Behinderung, sind enorm wichtig.

Wie in allen Seminaren des Landesverbandes Baden-Württemberg e.V. so auch hier beim Familienseminar, ist es unser Ziel, den Menschen mit Schlaganfall und Aphasie und deren Angehörigen nicht zu therapieren, sondern unterschiedliche Methoden aufzuzeigen und kennen zu lernen, die es ihnen ermöglichen für sich persönlich den richtigen Weg zu finden, ihr Leben mit der Behinderung zu gestalten und zu verbessern.

Auch EMDR zur Eigenbehandlung von Ängsten, Schmerzen, Depressionen und Blockaden in Einzel- und Gruppensitzungen wurde angeboten und sehr gerne angenommen.

Ein absolutes Highlight war am Freitagabend die Aufführung unserer Theatergruppe, mit ihrem selbst erarbeiteten Stück „Mord im Kloster“. Menschen mit einer Sprachstörung, mit Halbseitenlähmung, mit Konzentrationsstörungen und, und… auf der Bühne mit Kostümen und einem selbst gearbeiteten Bühnenbild, mit selbst erdachten Texten und einem Mut der unser aller Bewunderung verdient.

Das 32. Familienseminar, da waren sich alle einig, war ein großer Gewinn, nicht zuletzt dank der wieder sehr guten Betreuung der Teilnehmer durch unsere Betreuer und Referenten und der Mitarbeiter des Tagungshotels der Evangelischen Diakonieschwesternschaft in Herrenberg.

2019, so hoffen die Teilnehmer, wird man sich beim 33. Familienseminar wieder sehen!

Iris Schwarz
Schriftführerin

Bedanken möchten wir uns bei der AOK Baden-Württemberg, die durch ihre Förderung dieses Projektes das 32. Familienseminar ermöglich hat.

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